Claudia
Märzendorfer

Portraits

Auf den ersten Blick erfüllt,  die als Portraits betitelte Serie von Fotografien die Erwartungshaltung der Betrachtenden nicht. Nichts scheint zu sehen zu sein, jedenfalls kein Portrait im klassischen Sinn. Sieht man allerdings genauer hin – prüft man die erste oberflächliche Wahrnehmung – entfalten sich auf der schwarz glänzenden Oberfläche die eigenen Gesichtszüge. Der/ die Betrachtende sieht sich selbst mit mehr oder weniger umgebendem Raum oder auch anwesenden Personen.

Das Portrait existiert in der jeweiligen Form nur für den Moment, in dem man sich selbst darin sieht; im nächsten Moment kehrt die vermeintliche Leere wieder zurück – oder aber ist eine andere Person im Bild.  Die klassische Bildhängung (im Fachjargon „Petersburger Hängung“ oder „Barocke Hängung“ genannt)  ebenso wie die formale Schlichtheit der Bilder verweisen auf eine gewisse Allgemeinheit hin, nämlich, dass in ihnen per se alle portraitiert sind. jene, die direkt vor Ort die flüchtige Erfahrung machen ebenso wie jene, die darin unsichtbar verborgen bleiben.

Jeanette Pacher