Bio

Claudia Märzendorfer

*1969, lebt in Wien und arbeitet in den Praterateliers.

Märzendorfer studierte von 1994- 2001 an der Akademie der Bildenden Künste und diplomierte im Fach Bildhauerei bei Bruno Gironcoli. In den 1990er-Jahren begann sie ihre Arbeit mit Abgüssen aus gefrorenem Wasser/ Eis, ein Material, das sie bis heute begleitet. Es verleiht der Skulptur performativen Charakter und erweitert sie um die Dimension der Zeit. Das Verschwinden des Objekts rückt den Prozess als einzig konstante Funktion der Existenz in den Fokus der Wahrnehmung und betont die Bedeutung des Raums und der Erinnerung. Auch in ihrer Arbeit mit anderen Materialien verweist Märzendorfer immer wieder auf diese Prozesshaftigkeit, indem sie den Vorgang der Entstehung ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellt. Im Laufe von acht Jahren fertigte sie beispielsweise handgearbeitete Ersatzteile, Motor (Silent Running) eines Lastwagens in Originalgröße. Diese Skulpturen repräsentieren insbesondere den sozialpolitischen Aspekt ihres Schaffens, sie versteht diese Arbeit als privaten Protest.

Die Künstlerin sieht die Welt als Material und versteht die Bildhauerei als poetisch, erweiterten Formbegriff. Sie arbeitet mit Installationen, Film als Skulptur, Fotografie, Zeichnung, Klang und Text. Ihre Arbeiten verfolgen eine konzeptuelle Strenge und werden häufig in schlichtem Schwarz und Weiß ausgeführt. Claudia Märzendorfer arbeitet mit analogen Techniken im Digitalzeitalter, Archiven und macht ortsspezifische Installationen sowie (temporäre) Skulpturen oftmals in Verbindung zur Akustik. In dieser Reihe von Werken, an der Schnittstelle zwischen Klang und Raum, entstand zuletzt Eis Maschine. Fast Instrument (2025).

Mit der Arbeit frozen records (2005) wurde sie 2006 als Artist in Residence ins Tesla am Podewils’schen Palais eingeladen. 2012 entwickelte die Künstlerin das Werk musictypewriter mit der Unterstützung des Arnold Schönberg Archivs aus dem Patentakt Schönbergs zu einer Notenschreibmaschine. 2018 und 2019 entstanden Filme in Anlehnung an die Praxis der Live-Acts der Kulturgeschichte der Instrumentenzerstörungen im 20. Jahrhundert.

Ihre Praxis befasst sich mit ephemeren Plastiken und Installationen. Zeit und Musik versteht sie dabei als einzig neutrale Währungen. Sie erzeugt mit ihren Werken eine Verschiebung der Welt neben der Welt, um gesellschaftlicher Enge zu entkommen. Das ist der Motor ihres Schaffens.

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Ihre Werke wurden in zahlreichen Einzelpräsentationen gezeigt: Neuer Kunstverein Wien (2024/2025), Kunsthaus Mürz (2020), der MQ ART BOX (2020), Kunsthaus Wien (2019), OK Linz (2019), KM-H Graz (2016/2017), MSU Maribor (2016), Bildraum Bodensee (2016) etc;

2019 wurde die Künstlerin ins Zentrum europäischer Künste Hellerau (D) eingeladen. Für das Festival Wien Modern entwickelte sie zur Leihgabe des „Mushroom Book“, John Cage Trust New York eine gleichnamige Installation, The Mushroom Book (2018), und zeigte bei Wien Modern (2020/2021) das ongoing project frozen records.

Bei „singuhr.de“ Berlin waren ihre Arbeiten in Ausstellungen 2006, 2018 und 2024, zu sehen und beispielsweise in folgenden Gruppenausstellungen und Festivals, wie zuletzt: Albertina Klosterneuburg (2025), Lentos Kunstmuseum (2025), 50 Jahre Künstlerhaus Bethanien (2024), Albertina Modern (2024), Sounding Bochum (2022), Kunstverein Mannheim (2020), Chongqing Galaxy Museum of Contemporary Art/ GCA (2019), Frey Art Museum Seattle (2015), Today’s Art Festival Den Haag (2007);

Vielfach ist sie in Sammlungen vertreten und wurden ihren Konzepte bei Kunst am Bau/ Kunst im öffentlichen Raum-Projekten umgesetzt, wie beispielsweise das fortlaufende Projekt: für die Vögel/for the Birds (2019), forthebirds.at. Claudia Märzendorfer wurde zuletzt mit folgenden Preisen ausgezeichnet:

  • 2023 Preis der Stadt Wien.
  • 2017 Gerhard und Birgit Gmoser Preis der Jury der Wiener Secession.
  • 2014 Outstanding Artist Award in der Sparte bildende Kunst.
  • 2010 Staatsstipendium für bildende Kunst.