Claudia
Märzendorfer

Press Info

One may best describe Claudia Märzendorfer‘s artistic practice as an attempt to portray a moment that seems to be out of control, at once impossible and somehow „wrong“. Rather than making works for eternity (and products for the art market), the artist is interested in the processual, the transformation, as well as in a work‘s complete dissolution or disappearance. Thus, „time“ is a subject in all her works, both in ephemeral sculptural installations and in objects, which were produced with a monumental amount of time. For the artist, time is the „only neutral currency“ – an entity that, regardless of background and social status is and remains the exact same measure.
Since the end of the 1990s, Märzendorfer has been developing and working with a technique and material that meets her interest in the volatile and uncontrollable: she produces objects with frozen water (sometimes also frozen ink) – ephemeral, unstable sculptures, whose disintegration begins at the moment of their presentation. These generate unique, magic situations that, like musical live performances always bear an instant of surprise. To go against the grain, take a point of view that is free from being functional or useful is a motor for the artist‘s creativity. Besides the already mentioned ice casts – of, a.o. drying, or rather: dripping laundry (Kaltwäsche, 1997 ff.), records made of ice (Frozen Records, since 2005) or a prototype assembly kit (Als er das Messer in die Sonne warf, 2009) – her oeuvre also includes works that explore spaces by means of photography and drawing. For instance, works from recent years like the wall drawing Wandabwicklung (2014) that spans over 200 m in the BIG headquarters in Vienna, or Entered from the elevator, everything is located on the ground floor (2015). For this, the artist made photographic copies of the working and studio spaces of a complete floor of the University of Applied Arts in Vienna and presented the photos in a poster-size pad: a concentration, or even collapse, of space and time.
Then again, to make the objects from the group of works Ersatzteile [spare parts], it took an absurd amount of time and effort: over the course of eight years, the manufactured truck tyres, engine block and various other parts of a lorry slowly took shape stitch by stitch. The engine block‘s organic tangle of knitted cords, tubes and chambers is reminiscent of viscera that have developed an independent existence. „In principle, my vision is that of an deviation or shift from the „standard situation“: to create a world next or parallel to the world because in most cases I find social guidelines and conventions too restrictive. I‘m often surprised about conformism and believe this is one of our society‘s fundamental problems. I often miss people‘s courage to change or improve situations or the general framework independently.“
(CM in an interview on sustainability, 2014)
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Pressetext

Claudia Märzendorfers künstlerische Praxis beschreibt man vielleicht am besten als Darstellungsversuch eines Moments, der aus der Kontrolle geraten, zugleich unmöglich und irgendwie „falsch“ zu sein scheint. Vielmehr als Werke für die Ewigkeit (und Produkte für den Kunstmarkt) zu schaffen, interessiert die Künstlerin das Prozesshafte, die Veränderung, auch das Verschwinden einer Arbeit. Folglich ist „Zeit“ Gegenstand in all ihren Arbeiten – ob in flüchtigen skulpturalen Installationen oder Objekten, die mit monumentalem Zeitaufwand hergestellt wurden. Zeit ist für die Künstlerin die „einzige neutrale Währung“, eine Einheit also, die unabhängig von Herkunft und sozialem Status für jede und jeden exakt gleich messbar ist und bleibt.

Seit Ende der 1990er-Jahre arbeitet und experimentiert sie wiederholt mit einem Verfahren und Material, das ihrem Interesse am Unbeständigen und Unkontrollierbaren entgegenkommt: Die Künstlerin produziert Objekte aus gefrorenem Wasser (fallweise auch gefrorener Tinte). Es entstehen ephemere, instabile Plastiken, deren Zerfallsprozess mit dem Zeitpunkt ihrer Präsentation einsetzt – und damit einmalige, magische Situationen, die wie bei musikalischen Live-Aufführungen immer auch einen Moment der Überraschung in sich tragen.
Etwas gegen den Strich zu bürsten, eine Perspektive einzunehmen, die frei ist von Funktionalität oder Nutzen, ist ein Motor ihrer künstlerischen Produktion. Diese umfasst neben den schon erwähnten Eisabgüssen, u.a. von trocknender, treffender: tropfender Wäsche (Kaltwäsche, 1997 ff.), abspielbaren Eisschallplatten (Frozen Records, ab 2005) oder einem Bausatz-Prototypen (Als er das Messer in die Sonne warf, 2009) auch fotografische und zeichnerische Erkundungen des Raums. Beispielsweise Arbeiten der letzten Jahre wie die 200 Meter lange Wandzeichnung Wandabwicklung (2014) im Hauptgebäude der BIG in Wien oder Vom Lift aus begangen liegt alles im Parterre (2015). Hier hat Märzendorfer die Funktions-, Arbeits- und Atelierräume eines Stockwerks der Universität für Angewandte Kunst in Wien konkret als fotografische Aufnahme kopiert und in einem Abrissblock sowohl räumlich als auch zeitlich verdichtet.
In einem absurd aufwändigen, langwierigen Arbeitsprozess wiederum entstanden die Objekte der Werkgruppe Ersatzteile: Im Verlauf von acht Jahren nahmen die in Handarbeit produzierten LKW-Reifen, Motorblock und diverse andere Teile eines LKWs Masche für Masche Form an. Das organische Gewirr an gestrickten Strängen, Schläuchen und Kammern des LKW-Motorblocks erinnert an ein Eingeweide, das schließlich ein Eigenleben entwickelt hat.
„Meine Vision ist grundsätzlich die einer Abweichung oder Verschiebung von der „Normalsituation“: eine Welt neben oder parallel zu der Welt zu erzeugen, weil ich gesellschaftliche Vorgaben und Konventionen zumeist als beengend empfinde. Ich wundere mich vielfach über die Angepasstheit und halte sie für ein Grundübel unserer Gesellschaft. Ich vermisse oft den Mut, Situationen oder Rahmenbedingungen in Eigenverantwortung zu verändern oder zu verbessern.“ (CM 2014 in einem Interview zum Thema Nachhaltigkeit)

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Texte

Presse

Berliner Zeitung, Feuilleton: „Da rauscht der Moment dahin“
Daniela Zinser, November 2006
Download (PDF 30 kB)

DATUM Seiten der Zeit: „Falsche Kunst“
Christian Bretter, Juli 2009
Download (PDF 16 MB)

artnet.de Ausstellungskritik: „Wege aus der Diskursfalle“
Matthias Klos, Juli 2009
Download (PDF 37 kB)

Ö1 Magazin gehört, Hörbilder spezial:
„Der Gedanke kann warten, er hat keine Zeit“
Radio feature Redaktion/Stefan Weber, November 2013
Download (Doc 788 kB)

BIG Nachhaltigkeitsbericht: „CM zum Thema Nachhaltigkeit“
2014-2016
Download (110 kB)

Freistil, Magazin für Musik und Umgebung: „Schall und Eis“
Cordula Boeze, März 2014
Download(PDF 1MB)

Kuk, Springer Verlag, Gegenwartsmuseum Admont: „Diderots Erben …“
Herwig G. Höller, April 2009
Download (PDF 1.6 MB)

MICA Interview: „Skulpturale Musik“
Susanna Niedermayr (Ö1 Zeitton), Juni 2006
mica.at / Download (94 kB)

kunstforum  Kunstforum Band 230, Dezember 2014-  Jänner 2015  Im Gespräch mit Ursula Maria Probst

Interviews zum Thema Nachhaltigkeit und Covergestaltungen mit Georgia Creimer, Nikolaus Gansterer, Sophie Thorsen,  Fritz Panzer und CM          BIG Katalog

art-magazin.de   Dezember 2014
http://www.art-magazin.de/kunst/6927-rtkl-eis-der-kunst-rueckblick-der-sound-von-wasser-und-eis

 
Wiener Zeitung Beilage 09/2012

Artikel 2006
ö1 zeitton …
 

okto
Falter 2016
VN 2016
Parnass 2/ 2016
Ö1 2016

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Short biography

Born 1969 in Vienna
Academy of Fine Arts, Vienna
member of Wiener Secession

Selected Points

2003/04 Universitätsassistenz am Institut für Bildende Kunst an der Kunstuni Linz
2006 Wiener Mozartjahr, Konzert mit 2500 Eisschallplatten
2006 Residenz am Tesla im Podelis´schen Palais Berlin
2007 Kunst am Bau, Wissensturm Linz CODE
2008 Bibliothek white noise für das Stift Admont
2010 Award for fine art
2011 Studio at Bundesateliers für Bildhauerei (Prateratelier)
2012 die schönsten Bücher Österreichs Kategorie Kunstbücher, Gestaltung Niklaus Thönen
2012 outstanding artist award Stipendium
2013 Kunst am Bau, shared space und grade
2014 Referentin an der Donau Universität Krems für zeitgenössische Musik und Bildende Kunst/ verschoben
2014 Kunst am Bau, WANDABWICKLUNG
2014 outstanding artist award für bildende Kunst
2017 Gerhard und Birgit Gmoser Preis Secession Wien

Publikationen / Monographien 

2002 Catalogue A RUNAWAY HOUSE, Triton Verlag Vienna / ISBN: 978-3-85486-141-6
2007 Catalogue THE HOTEL WAS OK, BUT THE FOOD WASN’T GOOD.
2008 Edition FREI-Fanzine white noise Secession Vienna
2011 Catalogue raisonné here’s to you, Revolver Verlag by VVV / ISBN: 978-3-86895-136-3
2012 awarded „eines der schönsten Bücher Österreichs“
2013 Catalogue Silent Running, Revolver Verlag VVV/ ISBN: 978-3-86859-324-4
2013 Edition „Making of“ Musictypewriter Secession Wien
2014 Monografie WANDABWICKLUNG Möglicherweise ist Landvermesser K Angestellter des Instituts für Stadtzerstörung GmbH des Freundes S.
2015 Monografie Vom Lift aus begangen liegt alles im Parterre                                      
2016 Edition 50 plus 12 a.p. unter ein Bild / below a picture
2016 Monografie cadavre exquis (kollektive Collage)                
2016 Catalogue raisonné Appendix/ seconde second   (..coming soon)

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geboren 1969 in Wien, lebt und arbeitet in Wien.
Studium der Bildhauerei bei Bruno Gironcoli, Akademie der bildenden Künste, Wien
Mitglied der Wiener Secession

Projekte, Auftragsarbeiten
2016 Depot Graz, Projekt mit der Kunstsammlung der Stadt Graz
2015 Vom Lift aus begangen liegt alles im Parterre, Pinnwand, Landschaftskunst, Universität für angewandte Kunst, Wien
2014 WANDABWICKLUNG, Kunst am Bau (temporär), BIG Hauptsitz, Wien 2013 Der Gedanke kann warten, er hat keine Zeit, Hörspiel für Ö1
2008 white noise, Stift Admont
2007 CODE, Kunst am Bau, Wissensturm, Linz
2006 Frozen records – much ado about nothing, Installation/Konzert, Wiener Mozartjahr, Wien

Einzelausstellungen, Performances (Auswahl)
2017 Musictypewriter, Schallform Gallery, RHIZ Wien
2016 72 km+, Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien (KM– Graz), curated by Sandro Droschl
2016 72 km+, MSU Maribor, curated by Simona Vidmar, Maribor (SLO)
2016 kollektive Collage, Bildraum Bodensee, Bregenz, curated by Jeanette Pacher
2016 Reisegruppe schöner Männer, FOX- Offspace, Wien, curated by Udo Bohnenberger
2015 shared space Attems, Rhizom im Palais Attems, Graz
2014 Silent Running, Ersatzteile, Showroom Vice Versa, Berlin (D)
2014 CM Motor, vorAnker, Anker Brotfabrik, Wien
2009 Als er das Messer in die Sonne warf, Jesuitenfoyer, Wien

Gruppenausstellungen
2017 visions of nature, Verena Kaspar, Kunsthaus Wien
2016 off is, curated by Angela Stief, Wien
2016 sound und Buch, Belvedere 21er Haus, Wien
2016 Winterzeit, Benrath (D)
2016 salon, curated by Ruth Horak & Sabine B. Vogel, Schwadorf (A)
2015 Anchor zero, Frye museum, Seattle (USA)
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Auszeichnungen, Residencies
2017 Gerhard und Birgit Gmoser Preis für Gegenwartskunst Secession Wien
2014 Outstanding Artist Award für bildende Kunst
2012 Schönste Bücher Österreichs für here’s to you, Catalogue raisonné
2010 Staatsstipendium für bildende Kunst
2006 Artist-in-Residence bei Tesla im Podewil’schen Palais, Berlin
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In time we live,  in space things move